Die letzte Trilog-Runde zur FIDA-Verordnung fand im Juni 2025 statt – seitdem ruhen die Verhandlungen. Ein Jahr Stillstand bei dem Gesetz, das Open Banking zu Open Finance ausbauen soll. Viele Institute lesen das als Entwarnung. Wir lesen es als das Gegenteil: Der Markt wartet nicht auf die Verordnung. Er baut Open Finance gerade ohne sie.
FIDA Verordnung 2026: Der Stand, nüchtern
Die Fakten: Der Kommissionsvorschlag stammt aus 2023, der Trilog startete im April 2025, die letzte Runde lief unter schwedischer Präsidentschaft im Juni 2025. Von den großen Mitgliedstaaten drängt derzeit niemand auf Fortgang; die zypriotische Ratspräsidentschaft hat im Frühjahr 2026 eine Mitgliedstaaten-Umfrage durchgeführt, unter anderem zum „Reverse Demand Approach“, nach dem die Pflicht der Dateninhaber zur Datenbereitstellung nicht mehr automatisch greifen würde. Die zuständige Kommissarin hat ihre Unterstützung für FIDA im Februar 2026 öffentlich bekräftigt, und die Verordnung steht weiter im Arbeitsprogramm der Kommission. Selbst bei einer Einigung folgen gestaffelte Übergangsfristen von zwei bis vier Jahren je Produktkategorie. Realistisch beginnt der verpflichtende Datenaustausch nicht vor Ende des Jahrzehnts.
Wer daraus ableitet, das Thema Datenzugang sei vertagt, macht einen Kategorienfehler. FIDA ist die Regulierung von Open Finance. Nicht seine Ursache.
Open Finance entsteht gerade außerhalb der Verordnung
Die eigentliche Entwicklung läuft am Gesetzgebungsverfahren vorbei. EY beobachtet verstärkt Open-Finance-Aktivität im Zusammenhang mit KI-gestützten Finanzangeboten, mit denen Kunden bereits heute aktiv Daten teilen – teilweise ohne oder mit nur teilweiser Regulierung. Das ist der Punkt, den die Verbandsdebatte übersieht: Der Kunde von 2026 exportiert seine Depotauszüge in ein KI-Tool und lässt sich sein Portfolio erklären. Er fotografiert Versicherungspolicen und fragt einen Assistenten, ob er überversichert ist. Warum genau dieser Datenzugang die Basis für Embedded WealthTech ist, haben wir separat beschrieben. Der Datenfluss, den FIDA ordnen soll, findet statt – nur eben ungeordnet, außerhalb der Aufsicht und außerhalb der Wertschöpfung der Institute.
Unsere Wurzeln liegen in einer der ersten BaFin-lizenzierten Open-Banking-Plattformen Deutschlands – wir haben die PSD2-Umsetzung aus nächster Nähe erlebt. Die Lehre aus dieser Zeit ist eindeutig: Wer den regulierten Datenzugang als Compliance-Pflicht behandelt hat, hat Schnittstellen gebaut, die niemand nutzen wollte. Wer ihn als Produkt behandelt hat, hat Kunden gewonnen. FIDA wird diese Geschichte wiederholen – mit einem Unterschied. Diesmal ist der Datennutzer kein Fintech mit App, sondern zunehmend ein KI-Agent, der im Auftrag des Kunden handelt. Die Schnittstellen, die Institute für FIDA bauen müssen, sind dieselben, die ihre Daten agentenfähig machen.
Die Gegenposition verdient Respekt: Die Kostenkritik der datenhaltenden Institute ist berechtigt, und ein schlecht gemachtes FIDA mit wucherndem Scheme-Aufwand wäre teurer Leerlauf. Aber die Konsequenz daraus ist Gestaltung, nicht Stillstand – wer sich jetzt in die Scheme-Diskussion einbringt und die eigene Datenarchitektur ordnet, bestimmt die Standards mit, statt sie 2029 übergestülpt zu bekommen. Was das konkret bedeutet, zeigt unser FIDA-Whitepaper am Beispiel der Altersvorsorge.
Drei Dinge, die vor jeder Einigung sinnvoll sind
Erstens: Dateninventar nach FIDA-Logik – welche Produktdaten liegen wo, in welcher Qualität, hinter welchen Systemen? Diese Arbeit ist unabhängig vom finalen Verordnungstext wertvoll, weil sie jede Daten- und KI-Initiative beschleunigt. Zweitens: eine API-Architektur, die Datenzugang als Produkt denkt – mit Consent-Management, das der Kunde versteht. Drittens: die strategische Rollenfrage beantworten, bevor sie der Markt beantwortet. Dateninhaber ist jedes Institut per Gesetz. Datennutzer wird nur, wer es sich vornimmt. Wie eng das mit dem neuen Zahlungsrecht aus PSD3 und PSR verzahnt ist, zeigt der Blick auf das gesamte EU-Paket, aus dem FIDA stammt.
FIDA verspätet sich. Die Datenökonomie nicht. Wenn Sie die Rolle Ihres Hauses in Open Finance klären wollen: Sprechen Sie uns an.
Häufige Fragen zur FIDA-Verordnung
Was ist die FIDA-Verordnung?
FIDA (Financial Data Access Regulation) ist der EU-Vorschlag, der Open Banking zu Open Finance ausbaut: Kunden sollen den Zugriff auf ihre Finanzdaten über Konten hinaus – Versicherungen, Wertpapiere, Kredite – kontrolliert an Dritte freigeben können. Der Kommissionsvorschlag stammt aus 2023.
Wann kommt FIDA?
Offen. Die letzte Trilog-Runde fand im Juni 2025 statt, seitdem ruhen die Verhandlungen; kein großer Mitgliedstaat drängt derzeit auf Fortgang. Selbst nach einer Einigung folgen gestaffelte Übergangsfristen von zwei bis vier Jahren je Produktkategorie – der verpflichtende Datenaustausch beginnt realistisch nicht vor Ende des Jahrzehnts.
Warum lohnt sich Vorbereitung trotz Verzögerung?
Weil der Datenfluss längst stattfindet: Kunden teilen Depot- und Versicherungsdaten heute aktiv mit KI-Diensten – ungeordnet und außerhalb der Wertschöpfung der Institute. Ein Dateninventar nach FIDA-Logik und eine API-Architektur mit sauberem Consent-Management beschleunigen jede Daten- und AI-Initiative, unabhängig vom Verordnungstext.