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BaaS-Anbieter 2026: Die Konsolidierung ist durch. Die Auswahlkriterien sind neu.

Der BaaS-Markt von 2026 ist nicht mehr der von 2021. Solaris, Europas größte Plattform mit Vollbanklizenz, baut sich unter Mehrheitsaktionär SBI zur hochautomatisierten AI-Bank um – jeder fünfte Arbeitsplatz fällt der Umstrukturierung zum Opfer oder wird ersetzt. Das Bertelsmann-Fintech Riverty hat eine EU-CRR-Banklizenz erhalten und nimmt im Juli 2026 den Vollbankbetrieb auf. Wer heute einen BaaS-Anbieter auswählt, wählt in einem Markt nach der Bereinigung – mit Kriterien, die vor drei Jahren kaum jemand gestellt hätte.

BaaS-Anbieter 2026: Drei Verschiebungen ordnen den Markt neu

Der globale Markt liegt bei geschätzten 35 bis 45 Milliarden US-Dollar mit rund 17 Prozent jährlichem Wachstum – die Kategorie wächst, aber sie hat sich sortiert. Drei strukturelle Verschiebungen prägen das Bild: Middleware-Anbieter beschaffen eigene Lizenzen und reduzieren den Drei-Parteien-Vertrag auf zwei; die Aufsicht hat mit den BaFin-Maßnahmen gegen Solaris und den US-Consent-Orders die Messlatte bei KYC, Abstimmung und Reserven deutlich angehoben; und vertikale Spezialisten ziehen an horizontalen Generalisten vorbei.

Für DACH-Projekte heißt das konkret: Die Lizenzfrage steht wieder am Anfang. Direkt lizenzierte Anbieter reduzieren das Intermediärs-Risiko und sind gegenüber BaFin und Enterprise-Kunden leichter zu erklären als Konstruktionen mit Partnerbank im Hintergrund. Gleichzeitig hat die Aufsichtsgeschichte der letzten Jahre eine Lehre hinterlassen, die in keinem Anbieter-Pitch vorkommt: Schnelles Skalieren auf Kosten der Compliance trägt nicht mehr – und die Kosten dieser Lektion zahlen Partner mit, in Form von strengerem Onboarding, längeren Prüfungen und höheren Preisen.

Unsere Einordnung: Das ist eine gute Nachricht. Ein BaaS-Markt, in dem die Aufsicht die Spreu vom Weizen getrennt hat, ist für alle planbarer, die ein ernsthaftes Produkt bauen. Die Anbieterwahl ist damit endgültig keine API-Schönheitskonkurrenz mehr, sondern eine Risiko- und Betriebsentscheidung – dieselbe Logik, die die PSR gerade vertraglich zementiert: klare Haftungsverteilung zwischen Plattform und Lizenzpartner.

Die neuen Auswahlkriterien: Aufsichtshistorie, Konzentration, Exit

Vier Kriterien gehören 2026 in jede Due Diligence, in dieser Reihenfolge. Erstens die Aufsichtsbeziehung: Welche Maßnahmen, Auflagen oder Prüfungsfeststellungen gab es – und wie transparent spricht der Anbieter darüber? Ein Anbieter, der seine Aufsichtsgeschichte offenlegt, ist belastbarer als einer, der sie wegmoderiert. Zweitens die Konzentrationsfrage in beide Richtungen: Wie abhängig ist der Anbieter von seinem größten Kunden – und wie abhängig werden Sie vom Anbieter? Unter DORA ist das keine akademische Übung, sondern Teil des eigenen Auslagerungsregisters. Drittens der Exit: Migrationsfähigkeit von Konten, Karten und Daten gehört in den Vertrag, nicht ins Vertrauen. Viertens die Zukunftsfähigkeit des Betriebsmodells: Der Solaris-Umbau zeigt, wohin die Reise geht – hochautomatisierter, AI-gestützter Betrieb als Antwort auf die Margenfrage der Branche. Anbieter, die diese Effizienz nicht erreichen, werden sie über Preise oder Servicequalität an ihre Partner weiterreichen.

Die ehrliche Gegenrechnung: Wer nur einen schnellen Kartenlaunch für ein unkritisches Produkt braucht, kann mit einem EMI-basierten Anbieter gut fahren – nicht jedes Projekt braucht eine Vollbank im Rücken. Aber wer Einlagen, Kredit oder skalierendes Volumen plant, sollte die vier Kriterien vollständig durchdeklinieren, bevor die erste API-Dokumentation geöffnet wird.

Der Auswahlprozess in drei Schritten

Erstens das eigene Zielbild schärfen: Produkte, Volumina, Lizenzbedarf in drei Jahren – die Anbieterwahl folgt dem Geschäftsmodell, nicht umgekehrt. Zweitens die Shortlist gegen die vier Kriterien prüfen, mit schriftlichen Antworten statt Pitch-Folien. Drittens den Vertrag als Betriebsdokument verhandeln: SLAs, Auditrechte, Exit-Mechanik, Eskalationswege – alles, was DORA ohnehin verlangt, von Anfang an sauber.

Der BaaS-Markt hat seine Wildwest-Phase hinter sich. Wer jetzt auswählt, wählt für ein Jahrzehnt. Wenn Sie Ihre Shortlist stresstesten wollen: Sprechen Sie uns an.

Häufige Fragen zu BaaS-Anbietern

Was ist ein BaaS-Anbieter?

Ein Banking-as-a-Service-Anbieter stellt regulierte Bankfähigkeiten – Konten, Karten, Zahlungen, Kredit, KYC – über APIs bereit, damit Unternehmen ohne eigene Banklizenz Finanzprodukte in ihre Angebote einbetten können. Die lizenzierte Einheit trägt die regulatorische Verantwortung, die Marke baut das Kundenerlebnis.

Wie hat sich der BaaS-Markt bis 2026 verändert?

Der Markt liegt bei geschätzten 35 bis 45 Milliarden US-Dollar und ist konsolidiert: Middleware-Anbieter beschaffen eigene Lizenzen, die Aufsicht hat nach den BaFin-Maßnahmen gegen Solaris die Anforderungen an KYC und Compliance deutlich angehoben, und vertikale Spezialisten gewinnen gegen Generalisten. Solaris selbst baut sich 2026 zur hochautomatisierten AI-Bank um.

Worauf kommt es bei der Auswahl eines BaaS-Anbieters an?

Auf vier Kriterien: die Aufsichtshistorie und wie transparent der Anbieter damit umgeht, das Konzentrationsrisiko in beide Richtungen, vertraglich gesicherte Exit- und Migrationsfähigkeit sowie die Zukunftsfähigkeit des Betriebsmodells. Die API-Qualität ist wichtig – aber sie steht am Ende der Prüfung, nicht am Anfang.