Seit PSD2 behandeln die meisten Banken ihre Schnittstellen als Kostenstelle: gebaut, weil der Regulierer es verlangt, betrieben auf Minimalniveau. Die Open Banking Monetarisierung blieb dabei auf der Strecke. Mit FIDA und PSD3 kippt diese Rechnung, denn beide Regelwerke sehen erstmals vor, dass Datenzugang jenseits der Grundpflicht vergütet werden darf. Aus der Compliance-Schnittstelle wird ein Produkt. Wenn das Haus es baut.
Von der Pflicht-API zum API-Produkt
Zur Einordnung: Open Banking Monetarisierung bezeichnet Geschäftsmodelle, bei denen Banken über ihre gesetzlichen Pflichtschnittstellen hinaus kostenpflichtige Premium-APIs anbieten, etwa für Kontoverifikation in Echtzeit, angereicherte Transaktionsdaten, Altersprüfung oder Zahlungsgarantien. Der Unterschied zur PSD2-Pflichtwelt ist fundamental: Pflicht-APIs geben Rohdaten kostenlos heraus. Premium-APIs verkaufen veredelte, garantierte und haftungsunterlegte Leistungen.
Der Bedarf dafür existiert nachweislich. Jeder Onboarding-Prozess im E-Commerce, jede Kreditentscheidung einer Plattform, jede Betrugsprüfung eines Zahlungsdienstleisters braucht verlässlich verifizierte Bankdaten. Heute kaufen diese Abnehmer die Leistung bei Aggregatoren und Fintechs, die auf den kostenlosen Pflichtschnittstellen der Banken aufsetzen. Die Wertschöpfung findet statt, nur ohne die Bank. Unsere Wurzeln liegen in einer der ersten BaFin-lizenzierten Open-Banking-Plattformen Deutschlands, und diese Asymmetrie war schon damals absehbar: Wer nur die Pflicht erfüllt, finanziert das Geschäftsmodell der anderen.
FIDA macht die Open Banking Monetarisierung zur Strategiefrage
Mit der FIDA-Verordnung, deren Status wir laufend einordnen, weitet die EU den Datenzugang von Zahlungskonten auf nahezu alle Finanzdaten aus, von Wertpapieren über Versicherungen bis zur Altersvorsorge. Entscheidend ist der Konstruktionsunterschied zu PSD2: FIDA sieht Financial Data Sharing Schemes vor, in denen Datenhalter und Datennutzer Kompensationsmodelle vereinbaren. Der Gesetzgeber legitimiert damit ausdrücklich, was unter PSD2 verboten war: Geld für Datenzugang.
Damit verschiebt sich die strategische Frage. Nicht mehr: Wie halten wir die Kosten der Schnittstelle klein? Sondern: Welche Datenprodukte rechtfertigen welchen Preis? Die Antwort fällt je Haus unterschiedlich aus, folgt aber einem Muster. Wert entsteht dort, wo die Bank etwas garantieren kann, was ein Aggregator nicht garantieren kann: die Echtheit des Kontoinhabers, die Verfügbarkeit eines Betrags, die Historie einer Geschäftsbeziehung. Veredelung schlägt Rohdaten, Garantie schlägt Auskunft.
Die Gegenposition kommt regelmäßig aus den Häusern selbst: Der Markt zahle nicht für Bankdaten, das habe PSD2 bewiesen. Das Argument verwechselt Ursache und Wirkung. PSD2 hat bewiesen, dass niemand für etwas zahlt, was per Gesetz kostenlos ist. Ueberall dort, wo Banken heute schon Premium-Leistungen anbieten, von Kontowechselservices bis zu Firmenkunden-APIs für Treasury-Anbindung, existieren zahlende Abnehmer. Regulierung ist kein Blocker. Sie ist der Moat: FIDA schafft den Rahmen, in dem lizenzierte Datenhalter Leistungen bepreisen können, während das Vertrauensgefaelle gegenüber unregulierten Anbietern bestehen bleibt.
Drei Fragen vor dem API-Produktkatalog
- Welche drei Datenprodukte des Hauses hätten heute zahlende Abnehmer? Kontoverifikation, Einkommensnachweis und Zahlungsgarantie sind die naheliegenden Kandidaten.
- Trägt die API-Infrastruktur ein Produktgeschäft? Ein Produkt braucht SLAs, Entwicklerportal, Sandbox und Support, keine Minimal-Schnittstelle.
- Wer verantwortet das API-Geschäft organisatorisch? Ein Produkt ohne Produktverantwortlichen mit Ertragsziel bleibt eine Kostenstelle mit besserem Namen.
Zugespitzt formuliert: Die nächste Stufe von Open Banking wird bezahlt. Die Frage ist nur, ob die Bank auf der Rechnung steht oder auf der Kostenseite.
Welche Premium-APIs würde Ihr Haus zuerst bepreisen? Sprechen Sie uns an.
Häufige Fragen zur Open Banking Monetarisierung
Was ist Open Banking Monetarisierung?
Open Banking Monetarisierung bezeichnet Geschäftsmodelle, bei denen Banken über die gesetzlichen Pflichtschnittstellen hinaus kostenpflichtige Premium-APIs anbieten, etwa für Echtzeit-Kontoverifikation, angereicherte Transaktionsdaten oder Zahlungsgarantien. Verkauft werden veredelte und garantierte Leistungen statt kostenloser Rohdaten.
Was ändert FIDA an der Monetarisierung von Bankdaten?
Die FIDA-Verordnung weitet den Datenzugang auf nahezu alle Finanzdaten aus und sieht Financial Data Sharing Schemes vor, in denen Datenhalter und Datennutzer Kompensationsmodelle vereinbaren. Anders als unter PSD2 darf Datenzugang jenseits der Grundpflicht damit ausdrücklich vergütet werden.
Welche Premium-APIs haben die größten Ertragschancen?
Die stärksten Kandidaten sind Leistungen mit Garantiecharakter: Kontoinhaber-Verifikation, Verfügbarkeitsbestätigung von Beträgen, Einkommens- und Umsatznachweise sowie Daten für Kredit- und Betrugsentscheidungen. Wert entsteht dort, wo die Bank etwas garantiert, was Aggregatoren nicht garantieren können.